Hinder im Racquetball: wann der Ballwechsel wiederholt wird und wann du ihn verlierst
Kurz gesagt
Ein Hinder ist eine Behinderung im Spiel. Ein Dead-Ball Hinder (Ball trifft den Gegner, Kontakt, unabsichtliches Verdecken) bedeutet Wiederholung des Ballwechsels. Ein Avoidable Hinder, also eine vermeidbare Behinderung, bedeutet den Verlust des Ballwechsels. Verantwortlich ist, wer gerade gespielt hat: Er muss ausweichen.
Zwei Spieler, vier Wände, ein Ball und kein Netz dazwischen. Die Regeln rechnen damit, dass sich die Spieler gegenseitig behindern. Das Wort Hinder (Behinderung) ist ihr Grundbegriff. Hier ist der Unterschied zwischen dem Hinder, der den Ballwechsel wiederholt, und dem Hinder, für den du den Ballwechsel verlierst, nach den internationalen Regeln IRF 2026–2028. Die Grundlagen der Zählweise findest du im Artikel Racquetball-Regeln.
Wann ein Ballwechsel endet
Nach Regel 1.3 endet ein Ballwechsel auf drei Arten: Ein Spieler erreicht den Ball nicht vor dem zweiten Bodenkontakt, er bringt ihn nicht an die Frontwand, bevor er den Boden berührt, oder es wird ein Hinder angesagt. Die dritte Art behandeln wir hier.
Dead-Ball Hinder: der Ballwechsel wird wiederholt
Ein Dead-Ball Hinder ist eine Behinderung, nach der der Ballwechsel ohne Strafe wiederholt wird. Nach Regel 3.13 wird der Ballwechsel wiederholt, und der Aufschläger hat wieder den ersten Aufschlag. Regel 3.13a nennt sechs Situationen:
- Court Hinder: ein Hindernis durch den Court selbst.
- Der Ball trifft den Gegner im Flug. Hatte der Ball aber nicht die Geschwindigkeit und Richtung, um die Frontwand zu erreichen, wird kein Hinder gegeben, und den Ballwechsel verliert, wer ihn gespielt hat (3.13a2).
- Körperkontakt zwischen den Spielern, der das Spiel behindert.
- Backswing Hinder: Beim Ausholen triffst du den Gegner oder er dich.
- Safety Holdup: Du hältst den Schlag zurück, weil du den Gegner treffen könntest.
- Sonstige Behinderung.
Backswing Hinder und Safety Holdup sind eine Frage der Fairness. Wenn du den Gegner wahrscheinlich mit Ball oder Schläger getroffen hättest, kannst du das Spiel anhalten und um einen Hinder bitten. Die Bitte muss sofort kommen, und der Schiedsrichter muss sie anerkennen (3.13a5).
Wer ausweichen muss
Das ist der Kern der ganzen Regel und die größte Streitquelle. Regel 3.13c sagt, dass die Seite, die gerade gespielt hat, ausweichen muss, damit der Rückschläger direkt zum Ball gehen kann und freie Sicht hat. Gleichzeitig muss der Rückschläger aber eine echte Anstrengung unternehmen, den Ball zu spielen. Ein Hinder ist kein Anspruch auf Wiederholung, wann immer du keine Lust hast zu laufen.
In der Praxis heißt das: Du hast den Ball gespielt, schau sofort, wohin er fliegt, und mach dem Gegner Platz. Stehen zu bleiben und zu warten, wo der Ball landet, ist genau das, was dich ins nächste Kapitel bringt.
Avoidable Hinder: Verlust des Ballwechsels
Ein Avoidable Hinder, also eine vermeidbare Behinderung, ist nach Regel 3.14 der Verlust des Ballwechsels. Den Punkt bekommt die andere Seite, und Absicht ist nicht erforderlich. Die Regel nennt neun Situationen:
- nicht ausweichen aus dem Weg des Gegners,
- Behinderung des Schwungs (Stroke Interference),
- Blockieren des Wegs zum Ball,
- in den Ball hineinlaufen, also sich selbst in die Flugbahn stellen,
- Schubsen des Gegners,
- absichtliches Ablenken,
- Verdecken der Sicht,
- Nassmachen des Balls,
- Verlust von Ausrüstung, die das Spiel behindert (Brille und Handschlaufe sind immer ein Avoidable Hinder).
Ein nasser Ball, der vor dem Aufschlag nicht in Ordnung gebracht wird, ist ein Avoidable Hinder gegen den Aufschläger (3.14h).
Der Unterschied zwischen beiden Arten von Hinder liegt also nicht darin, was passiert ist, sondern darin, ob du es hättest vermeiden können. Ein Gegner, den dein Ball im Flug trifft, hat einen Dead-Ball Hinder verursacht. Wer sich selbst in den Weg eines Balls stellt, den der Gegner gerade gespielt hat, oder dir vor dem Schläger steht, begeht einen Avoidable Hinder (3.14c, 3.14d).
Einspruch (Appeals)
Wenn neben dem Hauptschiedsrichter auch Linienrichter (Line Judges) das Match leiten, kannst du nach Regel 5.7 gegen jede Entscheidung Einspruch einlegen, außer gegen technische Strafen des Schiedsrichters und die Wertung des Matches. Das hat ein Limit: In jedem Satz hast du höchstens zwei erfolglose Einsprüche (5.7a). Geht dein Einspruch dagegen durch und die Entscheidung wird zu deinen Gunsten geändert, bekommst du den Punkt, und der Einspruch wird dir nicht angerechnet. Ein abgelehnter Einspruch kostet einen Einspruch, und der Punkt geht an den Gegner (5.7).
Achte auf das Wort „erfolglos“. Gezählt wird nicht, wie oft du Einspruch einlegst, sondern wie oft es nicht klappt. Zwei abgelehnte Einsprüche in einem Satz, und du hast keinen mehr.
Wie sich das im Spielstand niederschlägt
Nach IRF-Regel 1.4 bekommen sowohl die aufschlagende als auch die rückschlagende Seite Punkte. Der Aufschlagverlust ist im Einzel ein Side-out, im Doppel zuerst ein Handout und dann ein Side-out. Das Match geht über drei Gewinnsätze von fünf, alle bis 11 mit zwei Punkten Vorsprung, ohne Obergrenze. Ein Avoidable Hinder bedeutet den Verlust des Ballwechsels und einen Punkt für die andere Seite (3.14).
Wusstest du?
- Nach IRF punktet auch der Rückschläger (1.4).
- Im Spiel sind alle Flächen einschließlich Decke und Rückwand, außer den Öffnungen der Galerie und der Rückwand über 3,66 m (12 Fuß) (2.1a).
- Die Handschlaufe des Schlägers musst du die ganze Zeit am Handgelenk tragen (2.4c), und eine Schutzbrille ist Pflicht (2.5).
- Der Schläger darf höchstens 55,9 cm (22 Zoll) lang sein (2.4a), der Ball hat 5,7 cm (2 ¼ Zoll) Durchmesser und wiegt etwa 40 g (2.2a).
Wie ein korrekter Aufschlag aussieht und was ein Screen Serve ist, behandle ich im Artikel Aufschlag im Racquetball.
Häufige Fragen
Was ist ein Hinder im Racquetball?
Eine Behinderung im Spiel. Die IRF-Regeln unterscheiden den Dead-Ball Hinder, nach dem der Ballwechsel wiederholt wird (3.13), und den Avoidable Hinder, für den du den Ballwechsel verlierst (3.14).
Der Ball hat den Gegner getroffen. Wer hat den Ballwechsel gewonnen?
Niemand, es ist ein Dead-Ball Hinder, und der Ballwechsel wird wiederholt. Der Aufschläger macht mit dem ersten Aufschlag weiter (3.13, 3.13a). Ausnahme: Der Ball hatte nicht Geschwindigkeit und Richtung für die Frontwand, dann ist es kein Hinder, und den Ballwechsel verliert, wer ihn gespielt hat.
Der Gegner stand mir im Weg und ich bin nicht hingekommen. Ist das sein Fehler?
Kommt darauf an. Die Seite, die gerade gespielt hat, muss ausweichen (3.13c). Ist er nicht ausgewichen, obwohl er konnte, ist es ein Avoidable Hinder, und der Ballwechsel gehört dir (3.14). Du musst aber eine echte Anstrengung zeigen, den Ball zu spielen.
Wie oft darf ich Einspruch einlegen?
Einspruch einlegen kannst du gegen jede Entscheidung außer technischen Strafen und der Wertung des Matches, aber in einem Satz hast du höchstens zwei erfolglose Einsprüche (5.7, 5.7a). Ein erfolgreicher Einspruch zählt nicht.
Ist das bei USA Racquetball anders?
Dieser Artikel beruht auf den internationalen Regeln IRF 2026–2028. USA Racquetball hat eigene Regeln, die sich etwa in der Zählweise unterscheiden (siehe Racquetball-Regeln). Bei einem amerikanischen Turnier prüfe deshalb deren Wortlaut.
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